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Confira os estudos exploratórios, feitos pelo Deser, das principais cadeias produtivas do Brasil.

Confira os estudos exploratórios, feitos pelo Deser, das principais cadeias produtivas do Brasil.

 


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--------------------------ESPECIAL: Cartilha da Fetraf sobre a Fumicultura na Agricultura Familiar
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ESTUDO: Identificação de Gargalos Tecnológicos da Agricultura Familiar: Sumário Executivo.

Vesão completa do estudo em www.ipardes.gov.br

 

 

“Cadastre-se e receba as principais informações e análises sobre a Agricultura Familiar e Conjuntura Econômica Brasileira através do Boletim Eletrônico e Publicações do Deser.”

 

Deutsch



 

Die Abteilung für Ländliche Sozioökonomische Studien (DESER) ist eine im Juni 1988 von mehreren ländlichen Arbeitergewerkschaften, von ländlichen Bürgerinitiativen, von Bauernverbänden, von kirchlichen Diensten und von Beratungsgremien gegründete Nichtregierungsorganisation der drei Staaten der südlichen Region Brasiliens. Folglich wurde DESER als Ergebnis eines Bedürfnisses anderer ländlicher sozialer Organisationen geboren, und von Anfang an versuchte es, zu der Arbeit dieser Bewegungen und Organe beizutragen, indem es die Systematisierung von Informationen, die Ausarbeitung und Verbreitung von Analysen und Studien, die Produktion von Forschungen und Beratungen entwickelte, die die Implementierung von öffentlichen Maßnahmen vorantreiben, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauernfamilien der Region zu verbessern.

Am Anfang waren die Aktivitäten des DESER mehr auf die Themen gerichtet, die mit der landwirtschaftlichen Politik zusammenhängen, doch im Laufe der Strukturierung und der Erweiterung der Aktivitäten begann DESER, eine Vielfalt von Arbeitsgebieten zu integrieren, die direkt mit der Solidarität zur Stärkung der familiären Landwirtschaft und dem Aufbau eines Projektes nachhaltiger Entwicklung verbunden sind.

Während seiner Geschichte hat sich DESER bemüht, seine Funktion zu erfüllen und Analysen der familiären Landwirtschaft zu erzeugen, um die Forderungen der familiären Landwirtschaft zu begründen und die Leiter und Führungskräfte der Organisationen zu befähigen, damit sie diese Vorschläge mit den Behörden verhandeln und ihren politischen Eingriff verbessern können. Außerdem ist DESER eine Institution, die sich bemüht hat, die Freiräume der Demokratisierung der zivilen Gesellschaft und des Staats zu erweitern, indem es Vorschläge von Regierungsmaßnahmen zur Stärkung der familiären Landwirtschaft ausarbeitet und vorschlägt, die auf ein Projekt nachhaltiger Entwicklung zielen.

Als Ergebnis dieser Arbeit ist DESER als Referenz im Thema der familiären Landwirtschaft anerkannt worden, und wurde selbst von Seiten der Regierungsinstitutionen, Universitäten und internationalen Organismen legitimiert.

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Strategische Richtlinien

In all seinen Aktivitäten der Forschung, Systematisierung, Studium, Beratung und politischen Vorschlägen wird DESER seine Arbeit anhand folgender Orientierungen und strategischen Richtlinien entwickeln:

- Den strategischen Charakter der Verbindung von DESER mit den Organisationen der familiären Landwirtschaft zu stärken.

- Zum Fortschritt der öffentlichen Maßnahmen zur Begünstigung der familiären Landwirtschaft beizutragen.

- Zur Implementierung eines neuen Entwicklungsprojektes beizutragen, das auf der familiären Landwirtschaft beruht.

- Die Auswirkungen seiner Aktivitäten im ganzen Land zu verbreiten.

- Die Abwicklung institutioneller und organisatorischer Verwaltung zu verbessern.

Methodische Richtlinien

In all seinen Aktivitäten der Forschung, Systematisierung, Studium, Beratung und politischen Vorschlägen beabsichtigt DESER, den folgenden Orientierungen und methodischen Richtlinien Vorrang zu geben:

- Die Verbindung zwischen Ausarbeitung von Kenntnissen und Beratung zu intensivieren.

- Die Referenzdaten der Mikro- und Makrokonjunktur zu verbinden.

- Die Vorschläge für politische Maßnahmen direkt auf Informationen und Referenzdaten zu verankern, die von Landwirten erarbeitet werden.

- Die Verbindung, Integration, Vielfalt der Betrachtungsweisen und den Querschnittscharakter der Themen zu vertiefen.

- Die Vernetzung der Partnerschaften zu stärken.

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Das privilegierte Publikum der Aktivitäten des DESER sind die Organisationen und Gremien von familiären Kleinbauern. Auf regionalem und nationalem Niveau verbindet es sich mit den Institutionen, mit den demokratischen Basisorganisationen, mit öffentlichen und privaten Universitäten, und mit Landes- und Bundesorganen und Regierungen. In anderen Gebieten Brasiliens, besonders dem Nordosten, hat DESER zu der Gesamtzahl der Organisationen Verbindung, wegen der Auswirkungen seiner Arbeit, oder wegen seiner direkten Handlungen vor Ort.

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Programm Nr. 1: Öffentliche Maßnahmen zugunsten der familiären Landwirtschaft

Das Ziel ist, zur Konstruktion, Verbesserung, Begleitung, Auswertung und Verbreitung der öffentlichen Maßnahmen beizutragen, die als Voraussetzung die Festigung der Demokratisierung des Staates und der gesellschaftlichen Kontrolle dieser Maßnahmen durch die Nutznießer und ihre Organisationen haben. In diesem Programm soll die Begleitarbeit des DESER hinsichtlich der landwirtschaftlichen Politik, der Sozialpolitik, den Landverteilungsprogrammen, der sozialen Verwaltung und der territorialen Entwicklung permanent sein.

Programm Nr. 2: Systeme und Netzwerke der familiären Landwirtschaft

Das Ziel ist, für die Konsolidierung von den Systemen und bestehenden Netzwerken in der südlichen Region auf verschiedenen Ebenen beizutragen. Die Überwachung dieses Programms des DESER wird beständig sein, in naher Verbindung mit der Südfront der Familiären Landwirtschaft, des Südlichen Milchforums, der FETRAF-SUL/CUT (landwirtschaftlicher Gewerkschaftsverband), dem Cre$ol System (Mikrokredite) und dem ökologischen Bauernnetzwerk Ecovida mit gemeindlicher Zertifikation der Produkte.

Programm Nr. 3: Produktion, Vermarktung und Nachhaltigkeit der familiären Landwirtschaft

Das Ziel ist, zur nachhaltigen Entwicklung der familiären Landwirtschaft beizutragen, anhand von Beiträgen für die Ausarbeitung von öffentlichen Maßnahmen und für eine qualifizierte Mitarbeit der Organisationen der familiären Landwirtschaft. In diesem Programm geschieht die Arbeit des DESER durch Marktanalysen, Studien über die Produktionsketten und fairen Handel, durch die Begleitung der internationalen Abkommen und durch die Untersuchung von ökologischen landwirtschaftlichen Modellen.

Programm Nr. 4: Institutionelle Entwicklung

Das Ziel ist, die organisatorische und institutionelle Besserung des DESER zu fördern, sowie den Verwaltungsprozeß und die institutionelle Entwicklung des DESER zu straffen, wobei seine Stärkung gewährleistet wird und ein Beitrag für die Gesamtheit der landwirtschaftlichen Organisationen geschieht.

Querschnittsthemen

Der Querschnittscharakter von Themen wie Geschlechter, Generationen und kulturelle Vielfalt wird dauernd in den Aktivitäten des DESER beachtet, die von der Idee geleitet werden, die Gleichheit in Gelegenheiten und die Sicherung der Unterschiede und Vielfalt zu gewährleisten.

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DESER sichert seinen finanziellen Unterhalt durch Spenden von Agenturen der internationalen Zusammenarbeit und internationalen Organismen, durch Abkommen mit Regierungsinstitutionen, sowie durch Beiträge der Gewerkschaften und den Verkauf seiner Materialien und Dienste. Derzeitig pflegt DESER institutionelle Beziehungen und finanzielle Verbindungen mit folgenden Agenturen und Institutionen:

- Interchurch-Organisation für die Entwicklungszusammenarbeit, ICCO: Niederlande

- Christian Aid: Großbritannien und United Kingdom

- Deutscher Gewerkschaftsbund-DGB: Deutschland

- Kanadische Agentur für internationale Entwicklung/Fond für Gleichheit der Geschlechter, CIDA/FIG,: Kanada

- OXFAM International: United Kingdom

- Action Aid: Brasilien

- Itaipu Binational: Brasilien/Paraguay

- Landesministerium für Wissenschaft, Technologie und Höhere Ausbildung von Paraná: Brasilien

- Interamerikanisches Institut für Landwirtschaftliche Zusammenarbeit - IICA

- Ministerium für Agrarentwicklung (MDA): Brasilien

 

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DESER im historischen Kontext der Organisationen der Familienlandwirtschaft der Region Süd

Amadeu Antônio Bonato

Ende der 70er Jahre ereignete sich ein unruhiges Brodeln von gewerkschaftlichen Oppositionen auf dem Land. Drei Faktoren begünstigten diesen Prozess: der Beginn der politischen Öffnung des Militärregimes, die notwendige Konfrontation mit den aus dem Modernisierungsmodell verursachten Problemen der konservativen Landwirtschaftsregierung und die kirchliche Bewegung der Basis- und Pastoralengemeinden, hauptsächlich CPT und Assesoar in Paraná.

Als Gewerkschaftssymbol dieses Umwälzungsprozesses heben sich die Gewerkschaft der Landarbeiter (Sindicato dos Trabalhadores - STR) aus Erechim/ Rio Grande do Sul, die Gewerkschaft der Landarbeiter (STR) aus Chapecó/ Santa Catarina und die Gewerkschaft der Landarbeiter (STR) aus Francsico Beltrão (Paraná) hervor, die sich 1978 zu Oppositionen der traditionellen Gewerkschaften formierten. Unter dem Einfluss dieser drei Pole, die konkret auf die öffentliche Politik reagierten, veränderten sich viele andere Gewerkschaften, die sich bisher nur um die Gesundheitsversorgung kümmerten, ebenso in oppositionelle Einheiten mit neuen, kontroversen Themen.

Die Errungenschaften der gewerkschaftlichen Oppositionen, die in Übereinstimmung mit den traditionellen Gewerkschaften erarbeitet wurden, bewirkten, dass sich die eigentlichen traditionellen Verbände ebenfalls in progressive oppositionelle Gewerkschaften veränderten. Solche Verhandlungen wurden durch die geographische Nähe, in der sich die aktiven, oppositionellen Gewerkschaften lokalisierten (Alto Uruguai, Rio Grande do Sul, der Westen, Santa Catarina, Südwesten und Paraná), begünstigt. So entstanden die „Gewerkschaftliche Koordination von Alto Uruguai“ (Coordenação Sindical do Alto Uruguai - COSAU), die „Vernetzung der authentischen Gewerkschaften“ (Sindicatos Autênticos) im Westen Santa Catarinas, die „Micro 1-A“ im Südwesten von Paraná und die Gewerkschaftsopposition ebenfalls dort.

Diese Vernetzungsdynamik bewirkte die Organisation und Durchführung von wichtigen Kämpfen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre, wie z.B. der Einsatz für Verkaufsgarantien (Notas Promissórias Rurais - NPR besonders in der Schweinezuchtvermarktung) im Südwesten/ Westen Paraná und gegen die Schweinepest in Santa Catarina. In allen drei Staaten wurde darüber hinaus für bessere Preise, Land und gegen den Bau von Staudämmen gek ämpft .

Die Identitäten zwischen den drei Bundesstaaten, besonders zwischen den drei bereits zitierten Regionen, ermöglichten bez üglich ihrer gleichen historischen und kulturellen Bildung, ihrer ähnlichen landwirtschaftlichen Realität, den gemeinsamen Kämpfen und kirchlichen Wurzeln eine interstaatliche Vernetzung, die Anfang der 80er Jahre in die „Gewerkschaftliche Vernetzung Süd“ (Articulação Sindical Sul) führte. Diese wiederum schaffte es recht bald nach ihrer Konstituierung die Gewerkschaften in den Staaten São Paulo und Mato Grosso do Sul einzubinden.

Die “Gewerkschaftliche Vernetzung Süd“ beinhaltete eine entscheidende Bedeutung für die Bewegung und die Organisation der Gewerkschaften bis Ende der 80er Jahre. In ihren Kämpfen und Mobilisierungen hat der Einsatz für die Agrarreform, die Amnestie der Geldangleichung , die Legislative der Agrarpolitik, die Notfallkredite, Preise, soziale Absicherung und Gesundheit eine enorme Bedeutung. Der organisierte Vorstoß wirkte sich auf eine Expansion des Gewerkschaftums wie auch auf die Entstehung von neuen Bewegungen, wie z.B. die Landlosen Bewegung (Movimento Sem Terra) oder die Kommissionen gegen die Staudämme, aus.

Die “Gewerkschaftliche Vernetzung Süd“ realisierte jährliche Plenarien mit Vertretern aus den Gewerkschaften und agierte in fünf großen Wirkungsbereichen: der Kampf um Land, (Agrarreform und Betroffene von den Staudämmen), ländliche Arbeitnehmer, Agrarpolitik, soziale Absicherung, Gesundheit wie auch Bildung.

Dieser Gewerkschaftszusammenschluss der Landarbeiter leistet einen wichtigen Beitrag im Entstehungsprozess des bundesstaatlichen und regionalen Dachverbandes der Gewerkschaften (CUT) im Jahr 1983. Die Region Süd ernannte den ersten Landsekretär der nationalen CUT.

Aufgrund des großen Zuwachses der Gewerkschaften und einer enormen Nachfrage an der Ausbildung von Führungskräften konstituierte die Koordination der „Vernetzung Süd“ die gewerkschaftliche Bildungseinrichtung „Escola Sindical Margarida Alves“ (ESMA). Während ihres vierjährigen Bestehens realisierte die Gewerkschaftsschule über 50 Kurse jeweils von 20 Tagen Dauer in vier Etappen und bildete damit über 1500 Leiter und Führungskräfte der Gewerkschaften wie auch der Landbewegung aus.

1986 wurde zur notwendigen Verbesserung der Kommunikation unter den Gewerkschaften von der „Vernetzung Süd“ das Projekt „Radio Popular“, später „ATIVAÇÃO“ genannt, gegründet. Das Radio war für die Schulung von Kommunikatoren der Radioprogramme und für die Publikation der informativen Bulletins zuständig.

Während der Jahresversammlung der „Gewerkschaftlichen Vernetzung Süd“ wurde 1988 von Führern der Gewerkschaften, sozialen Landbewegungen und den sozialen Pastoralen eine Diskussion über die notwendige Einrichtung einer Studien- und Forschungsinstitution zur inhaltlichen Unterstützung der Landorganisationen besonders im agrarpolitischen Bereich geführt. Der Mobilisierungsprozess befand sich in einem intensiven Stadium und die Debatte über agrarwirtschaftliche Fragen gewann an Form. Ermutigt durch den Erfolg der Gewerkschaftsschule ESMA ist den Führern der Bedarf an technischer Begleitung/Beratung im Bereich der Agrarpolitik deutlich geworden. Folglich wurde Valter Bianchini, der als Agronom bei der Emater-PR wegen seiner kompromissvollen Einstellungen zu den Landwirten entlassenen wurde, beauftragt, die Idee zu realisieren.

Im April des gleichen Jahres konkretisierte sich die Debatte zügig: Nach verschiedenen Kontakten und einigen Arbeitstreffen formierte sich, zu Beginn jedoch noch informal, das „Gewerkschaftliche Department der ländlichen Studien“ (Departamento Sindical de Estudos Rurais). Trotz der anfänglichen Minimalbesetzung (Techniker Valter Bianchini, Sekretärin Ivone Pereira Ataide und Hilfskraft Eduardo de Almeida e Cunha) wurden erste Studien und Analysen veröffentlicht. Parallel wurde die institutionelle und juristische Form der Einrichtung diskutiert.

Obgleich ohne juristischen offiziellen Status waren die ersten Monate von DESER durch intensive Ausarbeitungen und systematische Analysen des Zusammenspiels der Agrarpolitik und Landwirtschaft gekennzeichnet. Bis zur Gründungsversammlung von DESER entstanden 4 Bulletins.

Am 14. Juni 1988 fand schließlich die Gründungsversammlung von DESER mit 40 Vertretern aus der Landarbeitergewerkschaft, den sozialen Bewegungen und sozialen Pastoralen in Curitiba statt. Paulo Farina aus der Gewerkschaft Echerim wurde zum Präsident des „Gewerkschaftlichen Departments der ländlichen Studien“ gewählt. An dieser Stelle sei schon darauf hingewiesen, dass auf der Versammlung von 1997 die Einrichtung zum „Department der sozio-ökonomischen ländlichen Studien“ (Departamento de Estudos socio-econômicos Rurais) umbenannt wurde. Bereits eine Woche nach seiner Gründung 1988 publizierte DESER die Studie „Agrarpolitik – die unproduktive Wurzel“ zur Vorbereitung des „4. Marsches des Landes von Paraná“. Die Studie vertiefte und systematisierte die Vorschläge zur öffentlichen Politik der Landbewegungen.

Im September 1988 verbreitete DESER im 7. Bulletin eine der größten Errungenschaften, Ergebnis von unermüdlicher Mobilisierung und Kampf der Landbewegung Ende der 80er Jahre: die Bewilligung durch den Nationalen Kongress der Amnestie der Geldangleichung der ländlichen Schuldenkrediten für Mini-, Klein- und mittlere Produzenten.

Mit der öffentlichen Bekanntgabe der föderativen Verfassung (4.10 . 1988) fanden die geforderten Aspekte ihre Reglementierung. Für die gewerkschaftliche Bewegung in Zusammenhang mit der technischen Beratung durch Studien und Ausarbeitungen waren zwei Aspekte fundamental: das Landwirtschaftgesetz und das Gesetz zur sozialen Vorsorge.

In den Jahren 1989 und 1990 stand folglich die Ausformulierung des Landwirtschaftsgesetzes im Vordergrund. Es folgten zahlreiche Debatten, Seminare und die Publikation einer historischen Fibel. Viele der von der gewerkschaftlichen Bewegung formulierten Vorschläge mit der mühevollen Ausarbeitung von DESER haben bis heute nicht an Gültigkeit verloren.

Gleichzeitig kristallisierten sich im Wahlkampf zwei Linien heraus: das neoliberale Projekt mit Collor de Mello und das volksdemokratische Projekt mit Luis Inácio Lula da Silva. Die Basisorganisationen griffen unter der Beteiligung von DESER die Ansätze des demokratischen Projektes für die Landwirtschaft auf, selbst nach dem Wahlverlustes Lulas und unter der Kontrolle der Parallelen Regierung blieben diese bestehen. Diese Situation führte zu einer intensiven Annäherung mit dem unvergesslichen José Gomes da Silva, der bereits 1985-86 durch den nationalen Plan der Agrarreform im INCRA zu bundesweitem Ansehen gekommen war.

Die Jahre 1989 und 1990 waren durch tiefgreifende Veränderungen im Organisationsprozess und in den Netwerken gekennzeichnet. Die „Gewerkschaftliche Vernetzung Süd“ erlitt eine starke Krise und Verhandlungslähmung. Auf der einen Seite verstärkte sowohl die wachsende Präsenz von MST in anderen Bundesstaaten als auch der Ausbau von eigenen Organisationskanälen unabhängig der Gewerkschaften die Autonomie der Bewegung . Auf der anderen Seite schuf die oppositionelle Gewerkschaftsbewegung die Identität der CUT, die sich zur zentralen Referenz für Konzeptionen und Aktionen entwickelte. So wurde das „Nationale Department der Landarbeiter der CUT” (Departamento Nacional dos Trabalhadores Rurais da CUT - DNTR) und die “Bundestaatlichen Departaments der Landarbeiter (Departamentos estaduais dos Trabalhadores Rurais da CUT - DETRs/CUT) gegründet. Die Unterschiede und Divergenzen zwischen der Landlosen Bewegung und der Gewerkschaftsbewegung wurden in diesem Moment deutlicher.

Noch zu Beginn des Jahres 1989 erarbeitete DESER das historische Spezialheft „Vorstoß des Kapitalismus auf dem Land“, welches sich zu einem Klassiker über die Debatte zur Logik der landwirtschaftlichen Entwicklung herauskristallisierte, mit folgender Schlussfolgerung:

„Eine heutige Strategie für das Land geht von der Anerkennung der strukturellen Heterogenität der sozialen Kräfte aus, die sich aus Landarbeitnehmern, Familienbetrieben mit Kapital und armen Kleinbauern zusammensetzen. Obgleich die eine oder andere Kraft auf regionaler Ebene überwiegt, konsolidiert sich diese Heterogenität mit der industriellen Entwicklung in der Landwirtschaft und bildet den komplexen Kontext, in dem die Vereinigung des Kampfes im brasilianischen Umfeld angestrebt werden muss. Durch die wachsende Integration der Landwirtschaft in das agroindustrielle und finanzielle Kapital ist die Lösung der Agrarfrage kein sektorielles Problem mehr, sondern muss im Kontext der strukturellen Alternativen für politische und ökonomische Modelle der Nation behandelt werden.“

Anfang 1990 wurde die Gewerkschaftsschule „Escola Sindical Margarida Alves“ (Bildungsbereich) und das Radio Ativação (Kommunikationsbereich) in DESER zusammengeschlossen. Dieser Schritt markierte den Beginn der zweiten Phase von DESER, dessen Mitarbeiterteam sich so nun vergrößerte. Themen wie Bildung, gewerkschaftliche Beratung, Sozialpolitik und Kommunikation bestimmten nun den Arbeitsprozess mit. Weiterhin vollzog sich eine wichtige terminologische Veränderung: Der Begriff „Kleine Produktion“ wurde durch „Kleinbauern“ definitiv ersetzt, um die Aufmerksamkeit von der Produktion auf den produzierenden Menschen zu verschieben.

Nach einem Rückzug der regionalen Gewerkschaftsbewegung (1990-92), die ihre Einsätze auf bundesstaatliche Aktivitäten konzentrierte, wurde 1992 mit der Gründung des „Forum Süd der bundesstaatlichen Departments der Landarbeiter/CUT“ (Forum Sul dos DETRs/CUT) die Verhandlungen in der Region Süd reaktiviert.

Im gleichen Jahr veröffentlichte DESER die erste Version “Die Region Süd in Daten“ mit zahlreichen Informationen zur Landwirtschaft dieses Gebietes, ein weiterer Meilenstein der wichtigen Publikationen von DESER.

Seit 1993 geht DESER in seiner Arbeit über die regionalen Grenzen des Südens hinaus und versteht sich als Forschungs- und Beratungseinrichtung auf nationaler Ebene. Diese Ausweitung markiert die dritte Phase in der historischen Entwicklung von DESER. Neben der inhaltlichen Erweiterung durch die Themen wie ländlicher Kredit, Mercosul und soziale Absicherung ist diese Periode hauptsächlich durch die Aufnahme des Begriffes „Familienlandwirtschaft“ und der Diskussion um Alternativprojekte für Entwicklung gekennzeichnet.

Auf dem Gebiet der Kreditpolitik, das Anfang 1993 eine starke Wiederbelebung erfuhr, erzielte die gewerkschaftliche Bewegung durch die intensive Beratung von DESER enorme Fortschritte bei den Vorschlägen zu differenzierten und subventionierten Krediten für Kleinbauern. Die Definition von Kleinbauernkrediten war der Haupttagespunkt der Jahreversammlung vom „Forum Süd“. Gleichzeitig systematisierte und untermauerte DESER diese Formulierungen in der Veröffentlichung „Investitionskredite – ein Kampf der Tausende von Leben wert ist“. Darüber hinaus trug das Video „Unser Land“ von CAMP zur weiten Verbreitung des Themas bei.

Bereits in der ersten Definitionsphase des Begriffes “familiäre Landwirtschaft“ werden differenzierte Subventionen und Rabatte für drei unterschiedliche, noch zu benennende Kleinbauernkategorien vorgeschlagen.

Aufgrund der Verabschiedung der Sozialversicherungsgesetzgebung (1991) und ihrer Normatierung für ländliche Gebiete (1992) drehten sich die Diskussionen der folgenden Jahre um Verständnis, Interpretation und Umsetzung dieser Gesetzestexte. Innerhalb dieses Prozesses übernahm DESER ein Schlüsselrolle für Weiterbildung und Verhandlungen.

Bereits Ende 1992 publizierte DESER erstmals über den Mercosul. Auch in diesem Gebiet wurde DESER eine der wichtigsten Einrichtungen zur Erarbeitung und Beratung über die Auswirkungen des Mercosuls auf die Landwirtschaft. Außerdem wirkte DESER entscheidend bei der Gründung der „Koordination der kleinbäuerlichen Organisationen“ von den Mitgliedern aus diesem Wirtschaftsblock mit.

Auch in Bezug auf die Gewerkschaften der Südregion markiert das Jahr 1993 eine besondere Stellung, da die Aktivitäten sich auf nationaler Ebene ausweiteten. Ausschlaggebend dafür war der zweite Kongress wie auch die erste Versammlung des „Nationalen Departments der Landarbeiter“ DNTR, bei denen die Gewerkschaft aus der Südregion eine wichtige Rolle übernahm – mit allen positiven wie negativen Konsequenzen in den nächsten Jahren. Zwei zentrale Themen beherrschten die Debatte auf den Veranstaltungen: die differenzierte Definition der Kategorien familiärer Landwirt und Landarbeitnehmer, sowie die Kontroverse über interne Konzeptionen der „Nationalen Konförderation der Landarbeiter“ (Confederação Nacional dos Trabalhadores na Agricultura CONTAG / 1963 gegründet). Diese Auseinandersetzung bewirkte eine erste Beteiligung der südlichen Gewerkschaft an der Direktion der CONTAG.

Ein nationales und einheitliches Forderungsprogramm war eins der wichtigen Resultate dieses nationalen Ausweitungsprozesses der Gewerkschaftsbewegung, welches in der Aktion „Erster Aufruf vom Land Brasilien“ (1. Grito da Terra Brasil“ im Mai 1994 seinen Höhepunkt fand. Das Programm zur Aufwertung der kleinbäuerlichen Produktion (PROVAPE), mit ersten Analysen zu spezifischen Ernteplänen der Familienlandwirtschaft, bedeutet die wesentliche Errungenschaft des „Aufrufes vom Land“. Dieses Programm mit dem Ziel, Anreize für Kleinbauern zu schaffen, in den ländlichen Gebieten zu bleiben, realisierte sich in dem ersten differenzierten Kreditprogramm.

Die Vertiefung der Debatte, die Errungenschaften im Kreditwesen und die Übernahme dieser Diskussionen vom akademischen Sektor machten DESER zu einer der ersten Institutionen mit profunden Studien und Ausarbeitungen über Entwicklungsprojekte und Konzeptionen zur familiären Landwirtschaft. Der Begriff „Familiäre Landwirtschaft“ wurde erstmals von DESER in der Studie und Feldforschung „Sozial-ökonomische Diagnose der familiären Landwirtschaft im Südwesten von Paraná“ (1993) verwendet. Mitte 1994 trug DESER in dem Artikel „Familiäre Landwirtschaft und landwirtschaftliche Entwicklung – einige Probleme zur Diskussion“ (in: Bulletin Landwirtschaftliche Umstände, 27.7.1994) die Diskussion über Entwicklungsprojekte in die Öffentlichkeit und verfestigte parallel den Begriff der familiären Landwirtschaft. Zum gleichen Zeitpunkt zeichneten sich erste Ansätze einer Diskussion aus der Gender-Perspektive ab.

“Wenn wir ein Projekt für die Kleinbauernlandwirtschaft entwerfen, dann müssen auch die Menschen dieser Familie, die Arbeitsverteilung zwischen den Mitgliedern, ihre Wertschätzung und die Mechanismen, die zu einer Überwindung der Ungleichheit führen, miteinbezogen werden.“

Der politische und öffentliche Ausdruck der anfänglichen Debatte über ein alternatives Entwicklungsprojekt vollzog sich auf der Plenarsitzung des „Forums Süd der DETRs/CUT“ Anfang 1995. Hier wurden die grundlegenden Richtlinien der Alternativen eines ländlichen und nachhaltigen Entwicklungsprojektes wie auch die Teilnahme an dem „2. Aufruf vom Land Brasilien“ (2. Grito da Terra Brasil) vorbereitet und formuliert. Bezüglich des Entwicklungsprojekt äußerte diese Versammlung folgende Behauptung:

„Unser Entwurf für das Entwicklungsprojekt formuliert Vorschläge, Handlungen und Politiken in kurz-, mittel- und langfristiger Perspektive, auf der Suche jede einzelne Erfahrung mit dem anvisierten Traum in Einklan zu bringen; jeden Moment mit der Hegemonie der Arbeiter in der Gesellschaft zu verbinden.“

Zwei weitere Bewegungen prägten die Gewerkschaft und DESER 1995: einerseits der „2. Aufruf der Erde Brasilien“ mit der Errungenschaft vom „Nationalen Programm der familiären Landwirtschaft“ (PRONAF) und andererseits der Prozess der Ländlichen des Gewerkschaftlichen Dachverbandes (CUT) in der Zusammenstellung der Direktion der „Nationale Konförderation der Landarbeiter“ (CONTAG) und ihrem Beitritt in der CUT.

Die Zusammensetzung der CONTAG seit der Vorsitzendenwahl auf dem 6. Kongress 1995, bei der „die CUT die Hegemonie in der CONTAG gewann“ (gemäß der Auswertung des „Forums Süd der Bundesstaatlichen Departments der Landarbeiter“ - DETRs, 9.5.1995) brachte wichtige – positive wie negative Konsequenzen für die Gewerkschaftsbewegung der Südregion. Später stellte sich heraus, dass die erwähnte Dominanz der CUT als relativ einzuschätzen war. Ferner schwächten die dynamischen nationalen Aktivitäten der CONTAG, die noch nach CONTAG spezifischen Richtlinien geführt wurden, den Verhandlungssektor der CUT im Süden, dessen Forum Süd nahezu ohne Funktion blieb. Die Konzentration der Gewerkschaften auf bundesstaatlicher Ebene ist ein weiterer dritter Aspekt, der die Dominanz der CUT relativierte. Diese bundesstaatliche Konzentration der Gewerkschaften resultierte aus den jeweiligen internen Auseinandersetzungen, die zu unterschiedlichen Resultaten und Dynamiken in den einzelnen Bundesstaaten führten. Dennoch muss der starke Einfluss der Beiträge aus der Südregion für die nationale Bewegung der CONTAG, der steigende Druck und das Eingreifen in öffentliche Politiken der Regierung wie auch die wichtigen Errungenschaften dieser Zeit als äußerst positiv bewertet werden.

DESER leitete in diesem Zeitraum 1995-97 mit steigenden nationalen Anforderungen, neben der wichtigen Präsenz des Teams innerhalb der Region, einen wesentlichen Beitrag zur Analyse der positiven wie auch negativen Aspekte der Gewerkschaftsbewegung.

Die Auseinandersetzungen des ländlichen CUT-Sektors über die offiziellen Führungsstrukturen der ländlichen Gewerkschaft (CONTAG und FETAGs „Federação dos Trabalhadores na Agricultura“ – Föderation der Landarbeiter ) in der Südregion richteten sich nach den jeweiligen strategischen Richtlinien der Bundesstaatlichen Departments der Landarbeiter (DETR/CUT). Im folgenden werden die unterschiedlichen Strategien kurz skizziert.

In Rio Grande do Sul kam es zu einer Zusammensetzung mit unbedeutender Beteiligung der CUT, ohne jedoch die Struktur des DETR zu zerstören. Das Bundesstaatliche Department setzte seine Arbeit mit der FETAG fort, die gleichzeitig einer der ersten Gewerkschaftssektoren waren, die die Intervention der gewerkschaftlichen Bewegung in die Produktionsorganisation zum Diskussionsthema machten.

Der Kontext in Paraná, in den sich die Zusammensetzung der Führung der FETAEP (Federação dos Trabalhadores na Agricultura do Estado do Paraná „ Föderation der Landarbeiter des Bundesstaates Paraná“) , mit dem sogenannten „progressiven“ Sektor (der sich schnell sowohl als konservativer wie auch rechter entpuppte) einfügte, geschah zu einem Moment, in dem eine Auseinandersetzung gegen eine Wiederkehr der konservativen Rechten geführt wurden. Diese Umstände zwangen die CUT gewaltige Konzessionen zu machen, u.a. nahe zu die Destrukturierung des DETR. Die ländliche CUT wurde schwer geschädigt und hatte Schwierigkeiten eine eigene Identität zu definieren.

In Santa Catarina bewirkte die Unmöglichkeit eines Vorankommens u.a. aufgrund eines fehlenden Dialoges in der Gewerkschaftsbewegung eine neue Identitätsbildung der familiären Landwirtschaft innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Ausdruck fand diese in der Gründung der „Föderation der familiären Landarbeiter von Santa Catarina“ (FETRAFESC) und den „Gewerkschaften der Arbeiter in der familiären Landwirtschaft“ (SINTRAFs). Hervorzuheben ist hier der Schwerpunkt auf die familiäre Landwirtschaft, da es zuvor nur eine Gewerkschaft der Landarbeiter (STR) gab. Die Führungskräfte investierten einen Grossteil ihrer Zeit in den organisatorischen Aufbauprozess.

Diese Verschiedenartigkeit der regionalen Gewerkschaftsstrategien und die Destrukturierung der Koordination des „Forums Süd der DETRs“, gemäß der Konzeption der CONTAG, bewirkten, dass sich die gewerkschaftliche und technische Beratung von DESER innerhalb der Gewerkschaftsbewegung der Südregion zerstreute, da sie sich mal individuell, mal punktuell bundesstaatlich oder national ausgehend von der CONTAG vollzog. DESER beriet auf bundesstaatlicher Ebene die Kreditpolitik (PRONAF), begleitete systematisch die Genderthematik. (Mit den Studien „Die Genderbeziehungen in der Milchproduktion“ und „Gender und die Vereinsbildung“ erzielte DESER in Paraná einen wichtigen Fortschritt innerhalb der Diskussion). Darüber hinaus begleitete DESER u.a. die Gründung der FETRAFESC. Ausgehend von der Konzeption der CONTAG, d.h. Zusammenarbeit mit den FETAGs, wurde das berühmte „CUT-CONTAG-Projekt“ durchgeführt, indem auch Ausbildungsprozesse für Führungskräfte, Beratung zur Vorsorgeproblematik und Themen zum Mercosul integriert wurden.

Als eins der größten Erfolge in dieser Zeit um 1995 muss PRONAF „Nationales Programm zur Stärkung der familiären Landwirtschaft“ nochmals hervorgehoben werden.

Andere wichtige Erfolge in diesem Zeitraum wurden vom sozialpolitischen Sektor der CONTAG mit Hilfe der von DESER geleisteten Beratung im Bereich der Sozialenvorsorge erzielt. Veränderungen in den Sozialversicherungsgesetzen von 1994 erschwerte für Bauern den Zugang zu den Sozialversicherungsvorteilen. Die „Aufrufe vom Land Brasilien“ von 1995 und 1996 formulierten mit äußerster Klarheit Forderungen in diesem Bereich und erzielten die Veröffentlichung eines ministeriellen Erlasses über neue Regeln zur Bewilligung von ländlicher Wohlfahrt (z.B. Rente, Mutterschaftsschutz)

Betrachtet man die gewerkschaftliche Organisation in dem Zeitraum von 1995-97, sprich die Organisation auf nationaler Ebene (CONTAG), die Destrukturierung des Forums Süd und die unterschiedlichen bundesstaatlichen Prozesse in der Südregion, kann man einige Behauptungen aufstellen, die – mögen sie auch subjektiv oder vereinfachend sein – zum Verständnis der Organisationsentwicklungen in den folgenden Jahren beitragen.

Die Zusammensetzung der FETAEP auf der einen Seite und die Destrukturierung des DETR auf der anderen Seite schwächten und setzten die Gewerkschaft CUT nahe zu außer Kraft. Das verstärkte Auftreten von anderen wirtschaftlichen Organisationen, wie z.B. das System Cresol als Kreditkooperative mit bedeutender Vertretung der familiären Landwirtschaft füllte diese Leere der gewerkschaftlichen Bewegung aus.

In Rio Grande do Sul hinkte die Debatte über organisatorische Fragen für eine neue gewerkschaftliche Bewegung der familiären Landwirtschaft zurück, da durch die Gründung der FETAG die Struktur der DETR erhalten wurde. Hingegen konnte in der Thematik zur Produktionsorganisation neue Ergebnisse erzielt werden.

Der ländliche Sektor der CUT in Santa Catarina, der sich mit der offiziellen Gewerkschaft (CONTAG) nicht vermischte, spezialisierte sich auf Organisationsfragen und wagte, ein neues Gewerkschaftsmodell umzusetzen. Das Modell verstand sich als Kategorie der familiären Landwirtschaft und investierte in die Basisorganisation und in den Regionalisierungsprozess, anfänglich durch die regionalen Gewerkschaftskerne und später durch die Regionalisierung der Gewerkschaften.

Wie bereits erwähnt, wurde das Kreditwesen organisatorisch weiter ausgebaut. Resultierend aus den Erfahrungen der Rotativen Fonds im Süd- und Zentralwesten von Paraná, die 1992 bis 1994 Unterstützung von der „Assesoar“ und der „Rureco“ erhielten, wurde die Einführung eines neuen Kreditkooperativenmodells ausgearbeitet. Als Resultat des Experimentes der Fonds und der thematischen Ausarbeitung wurde 1995 das System CRESOL (Kreditkooperative) mit solidarischer Interaktion speziell für die familiäre Landwirtschaft eingerichtet. Anfangs gegründet mit den Kooperativen „Dois Vizinhos“, „Pinhão“ und „Marmeleiro“ expandierte das System sehr schnell in den beiden Regionen Paranás.

Das System CRESOL war mehr als nur eine konkrete Antwort auf den speziellen Bedarf. CRESOL brachte neue Aspekte zur allgemeinen Konzeption von familiärer Landwirtschaft, zur lokalen Entwicklung und zur ökonomischen (und natürlich politischen) Organisation der Familienlandwirtschaft in die Diskussion mit ein. Dieser Beitrag bewirkte eine Öffnung der Problematik zugunsten einer organisatorischen Vielfalt innerhalb der Zielgruppe der familiären Landwirtschaft.

In Bezug auf DESER eröffneten diese Umstände eine neue historische Phase für die Einrichtung, die sich in der Jahresversammlung manifestierte. DESER sah sich in der Verantwortung, sich der aktuellen Diskussionsdynamik und den organisatorischen Prozessen anzupassen. Zwei Aspekte kennzeichneten diese Haltung: die Namensänderung und die klare Definition der Zielgruppe.

Der Name “Gewerkschaftliches Departament für ländliche Studien“ änderte sich, wie bereits kurz erwähnt, 1997 zu „Department für sozio-ökonomische ländliche Studien“ mit der Abkürzung DESER und zeigte damit auch zwei klare inhaltliche Tendenzen an: 1. die Betonung auf Forschung und Studien, die DESER mit mehr Nachdruck angehen muss und 2. die Erweiterung der Beziehungen für Beratungen und Dienstleistungen für Organisationen der familiären Landwirtschaft.

Der Auftrag von DESER beschreibt eindeutig die inhaltliche Tätigkeit mit einem Studien- und Beratungsschwerpunkt, der sich verpflichtet, „einen Beitrag zur Ausarbeitung und Implementierung eines alternativen Projektes zur nachhaltigen Entwicklung und Stärkung der familiären Landwirtschaft und ihren Organisationen zu leisten.“ (Protokoll der Versammlung von DESER, 1997).

Diese neue Wirkungsphase von DESER in den Jahren 1998-2002, eingehend auf die Nachfragen der Organisationen, charakterisierte sich durch folgende wesentliche Schwerpunkte: starke Konzentration auf die Aufwertung der Kleinbauernlandwirtschaft und ihren Organisationen im Hinblick auf eine nachhaltige und solidarische Entwicklung; Teilnahme an Forschungs- und Studienarbeiten zu strategischen Themen; Aufnahme von neuen Themen, die über die ökonomische Fragestellung – angeregt durch die angestrebte Entwicklungskonzeption – hinausgehen; intensive Verbindung und Interaktion mit den familiären Landwirtschaftsorganisationen; Realisierung von systematischen Aktivitäten, Interaktion mit Regierungsorganen zur Entwicklung von Forschungen und Studien; Konsolidierung von DESER auf nationaler Ebene.

Der gleiche Zeitraum von 1998-2002 verzeichnet bei den familiären Landwirtschaftsorganisationen äußerst dynamische Prozesse mit einer Verbesserung der organisatorischen Qualität. Auf der einen Seite sah sich die Gewerkschaftsbewegung aufgrund der Schwächung der CUT durch den Wahlverlust auf der CONTAG-Versammlung 1998 gezwungen, die Südregion neu zu organisieren, indem das „Forum Süd der Ländlichen der CUT“ reaktiviert wurde. Auf der anderen Seite tat sich ein starkes Potential von neuen Organisationen der Kleinbauernlandwirtschaft hervor wie z.B. das System Cresol der Kreditkooperative, die Kooperative der Milchproduktion (CORLAC) und wenig später die Milchkooperativen von Südwest Paraná (SISCLAF) und Santa Catarina (ASCOOPER), das Vermarktungsnetzwerk der kleinbäuerlichen Agrarindustrie im Westen Santa Catarinas, das System der solidarischen Zertifizierung durch das Netzwerk EcoVida. Letzteres bewirkte eine starke Vernetzung zwischen NGOs mit ökologischem Schwerpunkt und Organisationen der agrar-ökologischen Kleinbauernlandwirtschaft.

Die Gewerkschaftsbewegung entwickelte im Rahmen der neuen regionalen Stärkung und Strukturierung anfänglich zwei Strategien: 1. Organisation von massiven jährlichen „Treffen der familiären Landwirtschaft“, 2. massive Aus- und Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte an der Basis durch das Projekt „Solidarische Erde“

Es bestand insofern die Notwendigkeit, dass sich die familiäre Landwirtschaft als anerkannter sozialer und politischer Akteur auf regionaler und nationaler Ebene mit Verhandlungskapazitäten und Eingriffen in die öffentliche Politik konstituiert. Diese Tatsache wiederum erforderte eine Vernetzung verschiedenster Organisationen, zumal dieser Raum weder durch die geschwächte Gewerkschaftsbewegung (wegen entkräfteter Position in der Region und Bruch mit der CONTAG) noch durch die zahlreichen neu entstandenen Organisationen CRESOL und CORLAC (die mit ihrem strukturellen Aufbau beschäftigt waren) besetzt wurde. Auf dem „3. Treffen der familiären Landwirtschaft“ in Francisco Beltrão 1999 wurde die „Südfront der familiären Landwirtschaft“ vorgeschlagen und gegründet. Dieser Zusammenschluss bündelte alle bestehenden Kräfte innerhalb der Kleinbauernlandwirtschaft.

Ohne jeglichen Zweifel bedeutete die Südfront einen organisatorischen Zuwachs und Fortschritt, da sie für die Verhandlung der Programme mit der Bundesregierung sowie den Landesregierungen, für die Organisation von Seminaren und Debatten (u.a. kleinbäuerliche Agrarindustrialisierung, Milcherlass), die Durchführung des 4. und 5. „Treffens der familiären Landwirtschaft“ (in Esteio und Chapecó – die ersten drei Treffen wurden von der Gewerkschaftsbewegung organisiert) und zahlreichen anderen Mobilisierungen verantwortlich war.

Gleichzeitig zum Ausbau des Netzwerkes „S üdfront“ , investierte jede Organisation in ihre eigene verfestigende Entwicklung.

CRESOL expandierte mit großer Schnelligkeit, sogar in den Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul. Die Kooperative wuchs ebenso in ihrer Anerkennung von bundesstaatlichen öffentlichen Organen, die f ür finanzielle und kooperativistische Fragen zust ändig sind, im besonderen die Zentralbank, Banco do Brasil, BNDES und andere.

CORLAC erzielte auf politischer wie auch ökonomischer Ebene große Fortschritte, trat den Multinationalen der Milchproduktion (besonders PARMALAT) k ühn entgegen und förderte die Vernetzung und Ausdehnung einzelner Kooperativen in sämtlichen Mikroregionen des Bundesstaates.

Der große Vorstoß in der agrarökologischen Debatte und die Gründung individueller und kollektiver agrarökologischer Produktionsinitiativen (Produktion, Transformation und Vermarktung) trugen gleichfalls zur Stärkung des Netzwerkes EcoVida der solidarischen Zertifizierung bei.

Seit 1999 bildete das Projekt “Solidarische Erde” Führungskräfte für den allgemeinen Schulabschluss aus. Diese Ausbildung ist durch zusätzliche Aktivitäten zu politisch-gewerkschaftlichen Themen für Leiter wie auch einer Weiterbildung in Agrarökologie und Agrarindustrie (letzteres angeschlossen an das Projekt „Landwirt für Landwirt“) erweitert. Zweifellos reaktivierte das Projekt „Solidarische Erde“ die gewerkschaftlichen Dynamiken. Die Umsetzung der Diskussion über eine spezifisch regionale Organisation der Gewerkschaftsbewegung innerhalb der Kleinbauernlandwirtschaft nahm auf dem „1. Gewerkschaftskongress der Kleinbauernlandwirtschaft“ 2001 Form an: es wurde die „Föderation der Arbeiter der familiären Landwirtschaft in der Südregion“ (FETRAF-SUL/CUT) gegründet.

Ihre Gründung bewirkte einen doppelten Effekt im Laufe des organisatorischen Prozesses. Einerseits bedeutete der gewagte Vorstoß eines gewerkschaftlichen Organs explizit der familiären Landwirtschaft unter Ausschluss der aktuellen gewerkschaftlichen Gesetzgebung (oder zumindest nach der offiziellen Interpretation des Gesetzes) eine erneute offenkundige Präsenz der südlichen Gewerkschaftsorganisation auf nationaler Ebene. Andererseits jedoch reduzierte die Existenz der FETRAF-SUL/CUT die Wichtigkeit der „Süd Front“, da das Zusammenspiel der Aktionen diverser Organisationen sich der individuellen Stärkung der einzelnen Institution widmete.

Die Karawane der familiären Landwirtschaft mit Lula im Juli 2001, das „5. Treffen der familiären Landwirtschaft“ im Juli 2002 (obwohl von den Organisationen der Süd Front finanziert) die Errungenschaften der Kampagnen gegen die Staudämme 2002 gaben der politischen Glaubwürdigkeit der FETRAF einen kräftigen Impuls.

Für die Stärkung des Systems CRESOL waren die schnelle Expansion in der gesamten Südregion, die Glaubwürdigkeit des Systems in den positiven Verhandlungen mit diversen öffentlichen Einrichtungen, die Gründung des „Nationalen Forums der solidarischen Kreditkooperativen“ abgesehen von den positiven Wirkungen für die Landwirte ausschalggebend. Ebenso zeichnete sich für das System CORLAC dieser Zeitraum aufgrund der Durchsetzung auf dem Milchmarkt in Rio Grande do Sul, den Kampagnen über den Erlass 56 zur Milchqualität und der Vorstoß innerhalb der regionalen Vernetzung der Milchkooperationen mit der Gründung „Milchforum Süd der kleinbäuerlichen Landwirtschaft“ als äußerst erfolgreich aus.

Dieser neuartige Kontext wird in der nächsten Zeit ein neues Profil des Vernetzungsprozesses der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsorganisationen in der Südregion hervorrufen.

Vor diesem komplexen Hintergrund sah sich DESER in der Verantwortung, sich als eine technische und politische Forschungs-, Studien- und Beratungseinrichtung in die Gesamtheit und Vielfalt der Organisationen einzubringen.

Die Nachfragen dieser Zeit erforderten von DESER eine beachtliche Offenheit in der thematischen Ausrichtung. Über die historische Mitwirkung in den Bereichen der Agrarpolitik, Sozialpolitik, Produktionsketten, Marktanalysen, Mercosul, lokale Entwicklung entstanden neue Tätigkeitsbereiche: Bildung und berufliche Qualifikation, solidarische Sozioökonomie, internationaler Handel und soziale Integrationsp olitik. DESER beteiligte sich am Projekt „Solidarische Erde“, besonders bei den Programmen zur Schulbildung und zur „Nachhaltigen und Solidarischen Verwaltung“, wirkte als Partner der FETRAF-SUL/CUT beim Projekt „Landwirt für Landwirt“, bei dem Projekt der Mikrofinanzierung der Region des Vale do Ribeira und beteiligte sich bei Projekten der REBRIP, dem „brasilianischen Netzwerk zur Integration der Völker“. Diese Arbeitsfelder bewirkten neben einer neuen sprich, d.h. systematischen, kontinuierlichen und beständigen Beratung eine neue Dynamik der Ausarbeitung. Diese neue Form der Ausarbeitung geht immer von einer konkreten Anwendungspraxis aus.

DESER hat sich in dieser Zeit beachtlich im Bereich der Feldforschungen entwickelt und zeichnet sich besonders als anerkannte Forschungseinrichtung in den Themen zur Sozialen Vorsorge, Kredit (vor allem PRONAF), lokale Entwicklung, soziales Kapital, Mikrofinanzierung, Jugend auf dem Land, technische Hilfe, Agrarsysteme, Produktketten (hauptsächlich Milch und Tabak), wirtschaftliche Organisationen der familiären Landwirtschaft, Gewerkschaftsbewegung, Ansätze zur nachhaltigen Entwicklung und Kleinbauernlandwirtschaft aus. Die zahlreichen Studien haben sicherlich dazu beigetragen, dass DESER eingeladen wurde, an der Ausarbeitung der Regierungsprogramme des Kandidaten Lula zur Landwirtschaft mitzuwirken und später öffentliche Funktionen in der neuen Regierung zu übernehmen.

Diese Periode verlangte von DESER einen äußerst systematischen Ansatz bei der Organisationsberatung von den hauptsächlichen Organisationen der familiären Landwirtschaft: Südfront der Kleinbauernlandwirtschaft, FETRAF-SUL/CUT, CRESOL-BASER, CORLAC (Studien zur Milchproduktion in Rio Grande do Sul), Forum der Milchproduktion der familiären Landwirtschaft (seit kurzem).

Eine weiterer roter Faden DESERs manifestiert sich in der Ausweitung der Beziehungen und Partnerschaften mit anderen Akteuren u.a. aus den öffentlichen Sektoren (mittels Abkommen für Forschungsvorhaben), Universit äten, NGOs aus anderen Regionen Brasiliens und internationalen Institutionen.

DESER befindet sich nun Mitte 2003 nach 15j ähriger Existenz, nach Bewältigung vieler Phasen, in der Auseinadersetzung mit ständigen Herausforderungen auf einem von vielfältigen Prozessen und Dynamiken gekennzeichneten Weg. Zweifellos erfordern die aktuell formulierten Herausforderungen an die kleinbäuerlichen Organisationen und damit folglich an DESER, einen neuen Moment der Überwindung und einen Sprung in den Handlungskonzeptionen. Die Jahresversammlung von DESER am 15. August 2003 wird sicherlich wieder ein Meilenstein im Vorankommen seiner historischen Konstruktion sein.

 

 
 

 

 


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